Gestern fand die Trauerfeier unseres ehemaliges Vorstandsmitglied Pfarrer Bruno Weber an seinem früheren Arbeitsort im Berner Münster statt.

«Lieber Bruno

es ist noch nicht lange her, dass wir pro Jahr einige Male über Gott und die Welt diskutieren sollten, wollten und meist viel zu wenig Zeit dafür gefunden haben.

Ob Du diese Zeilen noch lesen kannst, ist eigentlich nur der Versuch eines Liberalen, die Grenzen zu testen. Vermutlich schreibe ich nur zur Erinnerung Deiner Angehörigen, die Dich mehr vermissen, noch intensiver, näher sind.

Uns fehlst Du. Besonders mir. Ich musste und darf weiterhin im Blog publizieren und war auf «Eingebungen», Eure Idee, Korrekturen oder Meinungen angewiesen. Du warst nach der Neuausrichtung der einzige Pfarrer, der regelmässig teilgenommen hat. Übrigens, Dein Nachfolger wohnt jetzt in Deiner Heimatstadt Basel - zuvor hat er in einer Stadt zwischen Bergen gepredigt - in Chur. Vor Bern warst Du in den Bergen an der Lenk und in de Stadt Winterthur als Pfarrer tätig.

Ich mochte Deine Kultur und schätzte Dein Wissen. Und wenn ich unsere Begegnungen Revue passieren lasse, muss auch das Wort «Streikultur» auf das Tapet. Wir waren beide der Ansicht, dass unser Name «Schweizerischer Verein für freies Christentum» überholt war. Wer mit dem neuen Namen Recht bekommt, wird die Geschichte zeigen. Die bereits zurückgelegte Geschichte hast Du auch anders interpretiert. Mein Vorschlag «libref» hat gesiegt. Deine Erfahrung hatte Angst mit möglichen Verwechslungen zu neoliberal. Für die Beschlusssitzung hast Du Dich entschuldigt und mit einem langen Brief zu Wort gemeldet. Dieser Brief bleibt in den Akten und wird wie die schon fast 140 Jahre lang gesammelten Unterlagen unseres Vereins auch einmal im Staatsarchiv Bern zu finden sein.

Die Geschichte wird es zeigen. Ich werde sie, so Gott will, entsprechend weiter verfolgen. Du hast sie selbst mitgeprägt. Menschenrechte - Menschenpflichten. Hast mitgeholfen, die zweite Kappeler Milchsuppe ins Leben zu rufen und bist dadurch Bundespräsident Pascal Couchepin zuvor gekommen. In der Hoffnung, nach dem gemeinsamen Mahl nicht in die Schlacht zu steigen, sondern friedlich zusammen leben.

Auf Deiner «letzten Reise» wünsche ich Dir, dass Du dich von den letzten Monaten erholen kannst, auf ein reich befrachtetes Leben zurück blickst - nein, dass Du vorausschaust und diesmal ohne Last.

Alles Gute

Stephan

Pfarrer Bruno Weber

... Pfarrer Bruno Weber wie wir ihn kannten - vorausschauend, nicht rückwärtsblickend. Jetzt ohne Last. Zum Abschiedsgottesdienst hast Du Dir das Hohelied der Liebe aus dem 1. Brief Paulus an die Korither gewünscht (1 Kor 13, 1-13) - «Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; am grössten aber unter diesen ist die Liebe.»

Dieser Bibeltext wird meistens bei Trauungen verwendet. Wer nicht die Weisheit, Kraft ... wie Bruno hatte, dem empfehle ich auch ein herkömmliches Buch weiter - «Die zehn Geheimnisse der Liebe» von Adam Jackson. Ein Buch das uns in Erinnerung ruft, wie das Leben eigentlich sein sollte: voller Freude, Staunen und unerschöpflicher Liebe.

Text und Foto: Stephan Marti - Finanzblog - leider wieder mit aktuellen Meldungen aus Pakistan - durch Krankheit oder Aufenthalt in Pakistan haben sich Bruno und Yahya meines Wissens nicht persönlich kennen gelernt.